Bund Deutscher Karneval (BDK)

Als Dachverband beheimatet der BDK, Bund Deutscher Karneval, 35 Regionalverbände mit über 5000 Vereinen. Der Landesverband Ostbayern, dem auch die FG Lari-Fari Diesenbach angehört, ist einer der Regionalverbände.

In der Ethik-Charta macht der BDK deutlich, wofür er und seine Mitgliedsvereine stehen.

Ethik-Charta des BDK

(Quelle: BDK)

Die Ethik-Charta des Bundes Deutscher Karneval e.V. soll weder doktrinär sein noch Zwang ausüben, sondern die Position dieses größten Brauchtums-Verbandes festschreiben. Die Fastnacht, der Fasching, der Karneval waren und sind geprägt von dem jeweiligen gesellschaftlichen Zeitgeist und nicht zuletzt von den Menschen, die sie erst beleben. Die ersten Wurzeln stammen aus dem 12. Jahrhundert und dokumentieren einen Festkomplex christlicher Prägung.

1. Dem Alltag ein Fest entgegensetzen

Fastnacht, Fasching und Karneval sind ein bedeutendes Traditionsgut und Teil des gemeinsamen europäischen Kulturerbes. Nach wie vor fest im christlichen Jahreslauf verankert, haben sie als Schwellenfest vor der österlichen Fastenzeit eine klare zeitliche Begrenzung. Am Aschermittwoch ist definitiv Schluss.

2. Frohsinn und Lachen verbreiten

Von seinem Rügerecht Gebrauch zu machen, gehört zum Rollenbild des Narren. Humorvolle Kritik aus Narrenmund an den Narreteien des Alltags, die auf das Konto mehr oder weniger prominenter Zeitgenossen gehen, ist integraler Bestandteil von Fastnacht, Fasching und Karneval. Verletzende Attacken auf Wehrlose, Hohnlachen von Mehrheiten über Minderheiten, beißender Spott und Häme, Ironie und Sarkasmus, auch wenn sie zu Lachstürmen im Publikum führen, sind hier fehl am Platz. Lachen auf Kosten anderer hat am Ende immer einen schalen Nachgeschmack. Lachen miteinander bleibt in bester Erinnerung.

3. Gemeinschaft und Mitmenschlichkeit stiften

Eine große Herausforderung für die Gegenwart und Zukunft von Fastnacht, Fasching und Karneval stellt die Integration von Migranten ins Brauch- und Festgeschehen dar.

4. Heimatliebe und Weltoffenheit fördern

Es ist ein großes Anliegen, die Stärkung der regionalen Besonderheiten zu betonen. Dazu gehört auch die Beibehaltung des Dialektes in den Wortbeiträgen. Fastnacht, Fasching und Karneval leben aus der Heimat und gewinnen gleichzeitig daraus ihre Weltoffenheit. Dies sollten wir beachten. Es darf jedoch nicht zu Versuchen kommen, Brauchtum von Landschaft zu Landschaft zu übertragen. Es geht darum, die Fastnacht, den Fasching und den Karneval auf traditions- und landschaftsgebundener Grundlage zu pflegen. Es gilt, eigene Kräfte zu fördern, den Ortsbezug zu behalten und trotzdem weltoffen zu sein.

5. Brauchtum und Medien

Eine ständige kritische Überprüfung und gegebenenfalls Neujustierung des Verhältnisses der Vereine und Verbände zu den Medien, vor allem zum Leitmedium Fernsehen, ist dringend angesagt. Bei sachgerechter Vermittlung von Bräuchen über den Bildschirm wird kulturelle Breitenarbeit geleistet.

6. Werte und Grenzen respektieren

Auch und gerade in Fastnacht, Fasching und Karneval, die ein „Moratorium des Alltags“ (Odo Marquard) sind, lautet das oberste Gebot „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Fastnacht, Fasching und Karneval dürfen niemandes Gefühle verletzen. Das gilt in ganz besonderem Maße für den Umgang mit religiösen Dingen. Ebenso wie die anderen Weltreligionen hat das Christentum - als die prägende Kraft europäischer Kultur und als Rahmenbedingung unseres Tuns zumal - Anspruch auf gebührenden Respekt. Wortwitz, der vor religiösen Kontexten nicht Halt macht, gehört nicht in die Fastnacht, den Fasching und den Karneval.

7. Traditionen bewahren und die Zukunft gestalten

Das Traditionsbewusstsein ist ein wesentlicher Motor und Stabilisator von Fastnacht, Fasching und Karneval. Allerdings erfordert der richtige Umgang mit Tradition viel Fingerspitzengefühl. Wer fundamentalistisch am Überkommenen festhält und keinerlei behutsame Veränderungen zulässt, trägt zur Versteinerung der Bräuche, zur Fossilisierung von Vergangenheit bei. Wer andererseits überlieferte Rituale leichtfertig aufgibt und stattdessen auf Eventisierung setzt, gibt bewährte Brauchformen der Beliebigkeit preis und riskiert ihre völlige Auflösung. Um beide genannten Extreme zu vermeiden, gilt es, das rechte Maß zwischen Tradition und Wandel, zwischen Statik und Dynamik, zwischen Beharrung auf Altem und Offenheit für Neues zu finden.

8. Werte und Wissenschaft

Voraussetzung für den Erhalt des Wissens um den Wert und die Möglichkeiten der Tradition von Fastnacht, Fasching und Karneval ist eine konsequente Zusammenarbeit mit der Wissenschaft, vor allem mit Volkskundlern, Historikern und Soziologen. Weiterzuentwickeln sind auch die Konzepte der Dokumentation und Präsentation von Fastnacht, Fasching und Karneval als bedeutsames Kulturgut in einschlägigen lokalen, regionalen und überregionalen Museen.

9. Anerkennung als Kulturgut

Ziel der Öffentlichkeitsarbeit der Vereine und Verbände muss es sowohl während der Session oder Kampagne als auch das Jahr über sein, das Bewusstsein um den Wert von Fastnacht, Fasching und Karneval als Kulturgut und europäisches Erbe zu stärken. Diese Erkenntnis gilt es, möglichst breiten Bevölkerungsschichten zu vermitteln und das entsprechende Wissen in besonderer Weise bei den Entscheidungsträgern der Lokal-, Landes- und Bundespolitik, vor allem aber auch bei den Repräsentanten der europäischen Gremien zu fördern. Fastnacht, Fasching und Karneval dürfen nicht auf Grund kulturhistorischer Kenntnislosigkeit an den Schaltstellen der Politik als temporäre Spielräume für flache Blödeleien und anspruchslose Massenunterhaltung missverstanden werden, sondern müssen als in der europäischen Ideen- und Geistesgeschichte tief verankerte komplexe Kulturphänomene und als Teil des kulturellen Gedächtnisses der abendländischen Welt, die Wertschätzung gerade der Verantwortung tragenden Eliten genießen.

10. Heranführung der Jugend

Es ist zwingend erforderlich, das Kulturgut Karneval generationsübergreifend zu behandeln. Dazu ist es notwendig, die Bindung der Jugend an das Brauchtum in den Vereinen zu fördern. Das geht nur mit einem Angebot, das jugendgerecht gestaltet ist. Wir müssen der Jugend die Möglichkeit geben, Verantwortung zu übernehmen und sie nicht als Hilfskräfte für einen unwesentlichen Teil unserer Arbeit sehen. Im Rahmen der außerschulischen Bildung, der adäquaten Orientierung im sozialen Umfeld ist die Heranführung an die Normen der Gesellschaft oberstes Gebot. Dabei wollen wir die Teamfähigkeit, das Verantwortungsbewusstsein und die Integrationsbemühungen fördern. Dies gilt sowohl für die hästragende Jugend als auch die tanzende Jugend, die Musikjugend und den Nachwuchs im Büttenrednerbereich. Ihnen die kulturellen Werte zu vermitteln und die Jugend als Erben eines traditionsreichen Brauchtums in die Verantwortung zu stellen, ist eine hehre Pflicht.

11. Kommerzialisierung

Fastnacht, Fasching und Karneval wollen als Traditionsgut und kulturelles Erbe auch ein Bollwerk gegen die Kommerzialisierung sein. Die Beliebtheit unseres Kulturgutes fordert in der heutigen Zeit außenstehende Profis heraus. Die Verbesserung der Vereinsstrukturen im Rahmen unserer Möglichkeiten als starke Gemeinschaft ist zwingend erforderlich. Dies führt zur Sicherstellung gegenüber Versuchen, Fastnacht, Fasching und Karneval gegen die Bestrebungen der Brauchtumsarbeit kommerziell auszunutzen, zu missbrauchen oder umzugestalten.

Unter diesen Prämissen wollen wir alle, die Freude daran haben, zum Mitmachen einladen. Der Bund Deutscher Karneval e.V. versteht sich im positiven Sinne als Sachwalter, Mahner, Bewahrer und Erneuerer des Brauchtums Fastnacht, Fasching und Karneval.

Aachen, 30. August 2008

Faschingssonntag, 14 Uhr!